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Datenqualität beeinflusst Geschäftserfolg von Banken

Geschäftspartnerdaten

Datenqualität hat Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg einer Bank

Finanzinstitute müssen ihre Geschäftspartner und deren Verhalten vollumfänglich verstehen, um ihre Geschäftsprozesse erfolgreich digitalisieren zu können. Aus diesem Grund sind konsolidierte und qualitätsgesicherte Geschäftspartnerdaten von etwa Kunden, Lieferanten und Dienstleistern erfolgskritisch. Finanzunternehmen stehen jedoch immer noch vor der Herausforderung, (Stamm-) Daten von Geschäftspartnern zu pflegen, effizient zu verwalten und zu eindeutigen Profilen zu konsolidieren. Die Grundvoraussetzung, um diese als Fundament für die Digitalisierung ihrer Prozesse überhaupt nutzen zu können.


Axel Schmale
Account Manager
Uniserv GmbH


Quelle: Bankmagazin, Ausgabe 12/2020, Autor Axel Schmale (Uniserv), © Springer Professional/ Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden 2020, Alle Rechte vorbehalten, https://www.springerprofessional.de

Banken und Finanzdienstleister agieren in einem hochregulierten Marktumfeld. Sie müssen umfangreiche Compliance- und Berichtspflichten erfüllen, und spätestens seit dem Inkrafttreten der 5. EU-Geldwäscherichtlinie im Juli 2018 hat sich der Druck noch einmal verstärkt. Die Menge an Daten, mit denen Banken umgehen müssen, ist immens: 20 Millionen und mehr Datensätze sind keine Seltenheit. Je nach Kundengruppe oder Tochterunternehmen kann es dabei zu einem unterschiedlichen Überschneidungsgrad kommen. Selbstredend ist hier höchste Datenqualität gefordert.

Die Daten sind dabei für eine Vielzahl an Geschäftsfeldern und -aktivitäten relevant: Neben den Wachstumstreibern Sales und Marketing, die qualitativ hochwertige Daten für die Kundenansprache und personalisierte Angebote nutzen, müssen auch Controlling, Legal Counsel und Compliance-Abteilungen auf die Vollständigkeit und Richtigkeit der Daten vertrauen können. Eine verlässliche Datenbasis hilft, Betrug zu identifizieren und abzuwehren. Werden Geschäftspartnerdaten für (BaFin-)Reportings von Kreditinstituten adhoc und in Echtzeit gefordert, ist das ohne solide Datenbasis nicht machbar – die Reportings sind weder belastbar, noch werden Compliance-Anforderungen eingehalten.

Die Bedeutung eines optimierten Geschäftspartnerdatenmanagements scheint im Bankensektor schon überwiegend bekannt zu sein: Bei einer Umfrage, die Uniserv, Experte für Customer Data Management, zusammen mit YouGov durchgeführt hat, gaben 95 Prozent der Manager aus der Finanz- und Versicherungsbranche an, dass ihnen eine Rundumsicht auf ihre Kunden und Geschäftspartner wichtig ist. Allerdings glaubt fast ein Drittel der Befragten (30 Prozent), dass ihr Unternehmen aktuell an der Komplexität der Aufgabe scheitert. Damit steht jedes dritte Finanz- oder Versicherungsunternehmen immer noch vor der Herausforderung, (Stamm-)Daten von Geschäftspartnern zu pflegen, effizient zu verwalten und zu eindeutigen Profilen zu konsolidieren. Informationen, die sich leicht aus Bestandsdaten extrahieren lassen würden, wie die Haushaltsbildung, stellen Finanzdienstleister immer noch vor nahezu unlösbare Aufgaben. 

Datenqualität beeinflusst Digitalisierungsmöglichkeiten

Eine qualitativ hochwertige Datenbasis ist insofern erfolgskritisch, da sie als Fundament für die Digitalisierung von Unternehmensprozessen dient. Die Finanzbranche hat als eine der Ersten die Konkurrenz neuer Marktteilnehmer, wie Fintechs und Neobanken, erlebt und steht seither unter dem Druck, ihre Geschäftsmodelle zu digitalisieren und die Wertschöpfung stärker als bisher im Privat- und Geschäftskundengeschäft zu erzielen. Um mit den rein digitalen Marktteilnehmern mithalten zu können, brauchen Banken eine genaue Kenntnis des Marktes und ihrer Geschäftspartner. Die Analyse und das richtige Management von Daten sind dabei die Grundlage für ein erfolgreiches Vorgehen. In der Praxis gibt es dabei aber noch zu viele Hürden, wie etwa komplexe und veraltete IT-Landschaften, in denen die verschiedenen genutzten Systeme häufig nicht gut miteinander kommunizieren oder verbunden werden können. Dies erschwert eine Zusammenführung der Geschäftspartnerdaten zu einer einheitlichen, validierten und qualitätsgesicherten Sicht enorm. Das bemängelten auch die befragten Finanzmanager: 20 Prozent gaben Datensilos als Herausforderung im Umgang mit Geschäftspartnerdaten an. Daten liegen demnach noch in unterschiedlichen Systemen, Abteilungen oder Unternehmensbereichen verteilt und isoliert vor. Weitere Problemfelder im Geschäftspartnerdatenmanagement sehen 40 Prozent in einem vergleichsweisen hohen Aufwand, die Daten manuell nacharbeiten zu müssen als auch in der insgesamt schlechten Datenqualität (30 Prozent).

Haben wir den Geschäftspartner schon im System?

Der unzureichende Umgang mit Geschäftspartnerdaten und der daraus resultierende mangelnde Fokus auf die Datenqualität haben Konsequenzen für alle Bereiche. So gaben beispielsweise 20 Prozent der von Uniserv befragten Entscheider an, die vorhandenen Geschäftspartnerdaten nicht nutzen zu können, um damit eine lückenlose Customer Journey abzubilden, obwohl viele Kundenkontaktpunkte ja bereits digital sind. Weitere 20 Prozent konnten zu dieser zentralen Aufgabe von Marketing und Vertrieb nicht einmal eine Einschätzung abgeben. Damit lassen Banken und Finanzdienstleister bis zu 40 Prozent des Sales-Potenzials liegen, weil ihnen die Datengrundlage oder das Know-How in Sachen Geschäftspartnerdatenmanagement fehlt. Dieses Ergebnis ist angesichts der zunehmenden digitalen Konkurrenz alarmierend.

Nicht nur beim Anlegen neuer Geschäftspartnerdaten müssen Finanzinstitute gemäß der Geldwäscherichtlinie die Daten entsprechend prüfen und revisionssicher verwalten. Auch der Speicherort, wie IT-Systeme und Applikationen, muss den Anforderungen standhalten. Welche Daten für welchen Zweck erhoben werden müssen, ist ebenfalls regulatorisch entsprechend vorgeschrieben. Eine Einsicht in das Transparenzregister ist beispielsweise vor Begründung einer neuen Geschäftsbeziehung für geldwäscherechtlich Verpflichtete zwingend erforderlich. Die Beziehungen der Geschäftspartner zu Hochrisikoländern müssen zum Unternehmensgegenstand und zu einzelnen Transaktionen noch intensiver befragt werden, ebenso müssen neue und bestehende Geschäftsbeziehungen stärker überwacht werden. Hieraus eine transparente und konsistente Datengrundlage zu erstellen, ist bei einer heterogenen IT-Landschaft, Legacy-Systemen und den daraus resultierenden Datensilos eine Herausforderung. Ist der neue Geschäftspartner bereits im System erfasst? Gibt es ihn noch in einem weiteren Zusammenhang, etwa in einem Tochterunternehmen oder aus einer anderen Sparte? Liegt das Einverständnis der Datenhaltung seitens DSGVO vor? Welche Identifikationsverfahren wurden genutzt? Fragen, die ohne konsistente Datengrundlage nicht immer auf Anhieb eindeutig beantwortet werden können.

Auch angesichts der bereits im Jahr 2013 veröffentlichten BCBS 239-Grundsätze hätten Banken längst in Sachen Datenmanagement stärker tätig werden müssen. Die BCBS 239-Grundsätze verschärfen die regulatorischen Anforderungen an Banken und ergänzen bereits bestehende Gesetzesbemühungen. Speziell systemrelevante Banken sollen so ihre gruppenweiten Risiken besser erkennen und managen können. Ziel dieser regulatorischen Vorgaben ist es zum einen, das Risikomanagement der Banken nachhaltig zu verbessern. Zum anderen verpflichten sie Banken dazu, ihre Risikodaten in angemessener Zeit so aufzubereiten und auszuwerten, dass sie ihre Risiken verantwortungsvoll steuern können. Hierbei wurden erstmals auch konkrete regulatorische Anforderungen an die IT-Architektur und das Datenmanagement in Kreditinstituten formuliert. 

Kurz gesagt: Banken sind dazu aufgefordert, selbst sicherzustellen, dass sie die finanziellen Risiken durch ihre Kunden im Griff haben. Nimmt man die in diesem Jahr aufgetretene Covid-19-Pandemie als Beispiel, wissen Banken beispielsweise derzeit nicht, ob alle Kredite zurückgezahlt werden können und sollten höhere Ausfallrisiken einplanen. Um dieses Risiko genauer planen zu können, ist es für Finanzinstitute elementar, ihre Kunden entsprechend gut zu kennen. Die Bank kann aktuell nur noch gewinnen, wenn sie ihre Daten so im Griff hat, dass sie ihre Kunden mit einem passgenauen Angebot versorgen kann.

Auswirkungen auf das digitale Bankenangebot

So haben beispielsweise nicht erst in den letzten Monaten digitale Angebote, wie Fernberatung oder digitaler Kundenservice, an Beliebtheit und Bedeutung für Banken und Finanzdienstleister gewonnen. Je mehr das Geschäft von Unternehmen analog und digital stattfindet, sowie sich auf verschiedene Kanäle ausweitet, desto mehr Daten über Kunden, Lieferanten und Dienstleister werden automatisch generiert. Damit wird es für Unternehmen immer schwieriger, ohne die passende Technologie für einheitliche, aktuelle und vollständige Geschäftspartnerdaten zu sorgen.

Jedoch ist es gerade bei digitalen Services wichtig, dass diese korrekt ausgespielt werden können und beispielsweise die Fernberatung nicht nur fachlich, sondern auch juristisch auf einem soliden Fundament steht. Dafür müssen Daten absolut korrekt und verlässlich sein, wenn es zum Beispiel um Know-Your-Customer, Sanktionslistenabgleich oder die eindeutige Identifizierung eines Kunden geht. Gerade bei Fernberatung und digitalen Services wandert die Kundenschnittstelle in eine anonyme Zone. Damit sind die Daten das bindende Element, und dem Datenabgleich sowie dem professionellen Management von Geschäftspartnerdaten kommen eine noch höhere Bedeutung zu.

Blick nach vorn

Um künftig die Qualität von und den Umgang mit Geschäftspartnerdaten zu verbessern, wünschen sich laut Uniserv-Umfrage 70 Prozent der Entscheider in der Finanzwirtschaft, die Daten automatisiert verwalten und als Basis für eine Digitalstrategie oder die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle nutzen zu können. Ebenfalls 70 Prozent wünschen sich, dass eine einheitliche Data-Governance-Strategie aufgesetzt und eingeführt wird, um festzulegen, wie das Unternehmen mit Geschäftspartnerdaten umgehen soll.

Für Datenqualitätsprobleme gibt es für Banken und Finanzdienstleister angesichts der regulatorisch geforderten und zunehmend strengeren Dokumentationspflichten keinen Spielraum mehr. Auch beispielsweise die Bekämpfung von Geldwäsche oder das Fraud Management, lassen sich mit konsolidierten Daten effizienter umsetzen. Eine Optimierung der Prozesse der Datengewinnung, des Datenmanagements und des Finanzreportings sowie eine professionelle Data Governance sollten für Finanzinstitute oberste Priorität haben. Dann ist eine genaue Kenntnis über den Geschäftspartner möglich, und erst dann können wir von einem effektiven Geschäftspartnerdatenmanagement sprechen.


Kompakt
 

  • Nur eine qualitativ hochwertige Datenbasis kann als Fundament für die Digitalisierung von Unternehmensprozessen dienen.
  • Laut Umfrage scheitert jedes dritte Finanz- oder Versicherungsunternehmen immer noch an der Herausforderung, (Stamm-)Daten von Geschäftspartnern zu pflegen, effizient zu verwalten und zu eindeutigen Profilen zu konsolidieren.
  • Die umfangreichen Compliance- und Berichtspflichten im hochregulierten Finanzumfeld sind ohne zuverlässige Datengrundlage kaum einzuhalten.


Über den Autor

Axel Schmale ist Account Manager bei Uniserv und Branchenexperte für den Finanzsektor. Er hat über 15 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Für Uniserv begleitet Herr Schmale Banken und Fintechs auf dem Weg in die digitale Welt, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Management von Kundendaten.

Datenqualität beeinflusst Geschäftserfolg von Banken

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus Bankmagazin 12/2020, Autor Axel Schmale, © Bankmagazin / Springer Fachmedien