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Digitalisierung fordert Chief Digital Officer der Energiebranche heraus

Digitalisierung fordert Chief Digital Officer der Energiebranche heraus

Der digitale Fortschritt setzt Energieversorger unter Druck. Zum einen, weil der digitale Kunde heute nicht mehr nur Strom, sondern digitale Dienstleistungen verlangt. Und zum anderen, weil das Energiemanagement der Zukunft sich durch den Trend der sogenannten Prosumer zunehmend schwieriger gestaltet. Wie können CDOs in Versorgungsunternehmen also künftig erfolgreich digitale Services liefern und das Energiemanagement sicherstellen? 

Energieversorgung und Kapazitätsplanung der Zukunft

Die Entwicklung des reinen Endkunden hin zum Stromproduzent, zum sogenannten „Prosumer“, stellt eine große Herausforderung dar: So sind Energieverbraucher zunehmend auch Produzenten. Doch wer gleichzeitig konsumiert und produziert, macht es Energielieferanten schwerer abzuschätzen, wann und wie viel Strom aus einem Netz bezogen wird. Dabei sind Verteilnetzbetreiber weiterhin verpflichtet sicherzustellen, dass sie ihre Kunden bei Bedarf zu hundert Prozent mit Energie versorgen können. Um den Überblick über die benötigten Ressourcen zu behalten und den Energieverbrauch effizient zu managen, braucht es eine technische Lösung. Diese kann auf Basis von Verbrauchs- und Einspeisungsdaten lernen und so Vorhersagen treffen, wie viel Strom gerade verbraucht oder produziert wird.

Digitales Energiemanagement optimieren durch Machine Learning

Disruptive Technologien wie Künstliche Intelligenz oder Blockchain sowie die internetbasierte Vernetzung aller Lebens- und Arbeitsbereiche über das Internet of Things (IoT) werden, wie bereits heute erkennbar, einen großen Einfluss auf die Gestaltung der Energiewirtschaft haben. Dabei hat die Digitalisierung zu einer Beschleunigung des Wandels geführt. Doch wollen laut der Stadtwerke Studie 2018 beispielsweise rund 30 Prozent der Befragten erst 2021 mit dem Rollout intelligenter Messsysteme beginnen. Was sich selbstverständlich auch auf die Predictive Intelligence auswirkt. Dieses und weitere Ergebnisse zeigen, dass viele Manager in der Energiewirtschaft immer noch nicht genau einschätzen können, wohin die Reise gehen wird und wie sich einzelne Rollen entlang der Wertschöpfungskette verändern werden.

KI-basierte Technologien erstellen Prognosen zum Stromverbrauch

CDOs der Energiebranche sollten im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie daher den Fokus auf Predictive Intelligence richten. Die auf künstlicher Intelligenz (KI) basierten Technologien lernen nämlich, Vorhersagen zu treffen, wie viel Strom ein Haushalt oder ein Unternehmen in einer Periode verbraucht und produziert. Ein derartiges KI-basiertes System hat zum Beispiel Ifesca entwickelt. Auf einer Prognose-Plattform liefert die künstliche Intelligenz AIVA unter Einsatz von Algorithmen sowie maschinellen Analyse- und Lernverfahren Prognosen für den Energieverbrauch. Dadurch werden Energieversorger wettbewerbsfähiger und können durch effiziente Ressourcenplanung dem ständig wachsenden Kostendruck standhalten.

Automatisierte Planung und intelligente Stromzähler

Darüber hinaus entwickelte das Unternehmen die automatische Betriebsführung eines Batteriespeichers. Ein intelligentes Energiemanagementsystem kümmert sich selbstständig darum, dass alle benötigen Daten zu jeder Zeit dem System vorliegen, die für die Planung der Ein- und Ausspeicherung benötigt werden. Anschließend sollen diese Planungsdaten an alle Beteiligten inklusive einem möglichen Energiehändler übertragen werden. So haben die Kunden den Vorteil, sich nicht selbst um die Planung, den Aufbau des Speichers oder die Betriebsführung und Vermarktung überschüssiger Energie kümmern zu müssen. Noch befindet sich das System für das Energiemanagement in der Entwicklung, das fertige Produkt soll perspektivisch dann auch für Privathaushalte interessant sein.

Digitale Dienstleistungen statt Strom sind gefragt

Tatsächlich können Chief Digital Officer auch bei Endverbrauchern mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz punkten. Denn auch hier können Predictive-Intelligence-Systeme beim Energiemanagement helfen, etwa, wenn Kunden mittels intelligenter Stromzähler und Thermostate ihr Haus automatisch beheizen können – oder indem sie über eine App ihren Warmwasser- und Heizkostenverbrauch beobachten und optimieren können.

In der Energiebranche wächst also der Druck: Energiewende und Digitalisierung verändern den Wettbewerb und die Verbraucherwünsche massiv, so eine aktuelle Analyse von Oliver Wyman. So liegt der indexierte Digitalisierungsgrad in der Energiewirtschaft bei 51 von 100 möglichen Punkten. Und die Zeit drängt. Denn Konsumenten lehnen Service nach den Maßstäben des Papierzeitalters zunehmend ab. Strom- und Gasanbieter werden von ihren Kunden an Servicestandards gemessen, die sich in anderen Branchen längst etabliert haben. Erwartet wird in erster Linie Flexibilität.

Digitale Services nur mit hochwertigen Kundendaten

Doch um zusätzliche digitale Services anzubieten, die von der Konkurrenz abheben, muss zunächst das Kundenverhalten analysiert und Kundendaten ausgewertet werden. Denn erst, wenn Bedarf und Verbrauch der Zielgruppe bekannt sind, können entsprechende Maßnahmen für mögliche digitale Services zur Ergänzung des Produkts „Strom“ eingeleitet werden. Damit es Chief Digital Officern außerdem gelingt, auch das Produkt Strom Endkunden weiterhin effizient zur Verfügung zu stellen, brauchen sie eine hochwertige Datenbasis. Denn Kundendaten wie zum Beispiel das Nutzungsverhalten und Präferenzen, aus denen sich Vorhersagen ableiten lassen, sind unverzichtbar für das Funktionieren von KI-basierten Lösungen für das Energiemanagement der Zukunft.