Digitalisierung: Wo stehen deutsche Unternehmen
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Digitalisierung: Wo stehen deutsche Unternehmen?

Die Umsetzung der digitalen Transformation lässt bei vielen deutschen Unternehmen noch zu wünschen übrig, doch Fortschritte sind sichtbar. Wer also wettbewerbsfähig bleiben will, sollte Herangehensweisen und Verantwortlichkeiten klären.

Die Mehrheit der deutschen Unternehmen hat die Bedeutung der Digitalisierung erkannt. Sie beschäftigen sich mit dem Thema und gehen es auch strategisch an. Die neue Trendstudie von Tata Consultancy Services (TCS) und Bitkom Research ergab, dass 75 Prozent aller befragten Unternehmen offen für die Digitalisierung sind, 76 Prozent verfolgen eine klare Digitalstrategie. Dabei rücken Unternehmen den Kunden in den Mittelpunkt. 48 Prozent bieten mehr individualisierte Produkte und Dienstleistungen an, 87 Prozent sehen in der Digitalisierung ein hohes Potenzial für einen besseren Kundenservice und 35 Prozent wollen stärker in Social-Media-Marketing investieren. Interessante Entwicklungen also! Zum Beispiel Henkel: Der klassische Markenartikler verfolgt konsequent seine Digitalstrategie. Künftig werden ganze Servicepakete angeboten. So können Kunden beim Kauf von Haarpflegeprodukten zum Beispiel einen Friseurbesuch hinzubuchen. Auch Otto bietet neue Services an. Auf der Plattform Otto Now können Endverbraucher Haushaltsgeräte mieten statt kaufen, Service und Austausch bei Defekten inklusive. Doch das sind lediglich zwei positive Beispiele, die nur bedingt als Gradmesser für das ganze Land taugen. Die Studie zeigt, dass noch viel Potenzial bei Digitalprojekten besteht. So nutzen 61 Prozent der Umfrageteilnehmer, also fast zwei Drittel, nachwievor selten oder nie agile Methoden, um ihre Digitalisierung voranzutreiben.

Industrie 4.0: sukzessive Fortschritte

Auch in der Industrie haben deutsche Unternehmen die Dringlichkeit der digitalen Transformation erkannt, neue Geschäftsmodelle nehmen Fahrt auf. Rund die Hälfte der Unternehmen verändert im Zuge der Digitalisierung ihr Portfolio (56 Prozent) und bietet Kunden häufiger individualisierte Produkte und Dienstleistungen an (48 Prozent).
Und wie steht es um den Mittelstand? Gegenüber den Großunternehmen verlieren KMUs an Boden. So haben nur 34 Prozent eine bereichsübergreifende Digitalstrategie gegenüber 49 Prozent bei den großen Unternehmen.

Ein wichtiger Indikator für den Fortschritt der digitalen Transformation ist die Offenheit gegenüber digitaler Technologie. Im Vergleich zu 2017 ist 2018 das Interesse deutlich gestiegen, Cloud Computing, Big Data Analytics, Internet of Things, Künstliche Intelligenz und Blockchain sind auf dem Vormarsch. Das automatische Erfassen und Verarbeiten von Daten nimmt immer mehr zu. Doch die Möglichkeit, mithilfe dieser Daten Prozesse zu optimieren, bleibt oft noch ungenutzt. Daten werden vielfach noch unzureichend oder gar nicht miteinander vernetzt – aber gerade hier steckt das größte Potenzial für digitale Geschäftsmodelle, für eine positive Customer Experience. Denn gute Daten geben Aufschluss über Kundenwünsche und Marktpotenziale. 

Chief Digital Officers (CDO) treiben Digitalisierung voran

Die Rolle des Chief Digital Officers (CDO) gewinnt stark an Bedeutung, gibt er doch immer häufiger im Gegensatz zur Geschäftsführung den Anstoß. Der Wert stieg im Vorjahresvergleich von sechs auf 17 Prozent. Offenbar hat sich also die Position des CDO in vielen Unternehmen gefestigt. Dennoch sind CDOs bisher in Unternehmen rar gesät, obwohl sie nachhaltig dabei helfen könnten, die Digitalisierung voranzutreiben. CDOs befassen sich intensiv mit Daten und Informationen und können das Sammeln und Verarbeiten selbiger so steuern, dass daraus neue Strategien und Geschäftsmodelle entstehen. Denn wenn Unternehmen nicht rechtzeitig auf den Digitalisierungszug aufspringen bzw. dran bleiben, fallen sie irgendwann hinter ihre digitalen Wettbewerber zurück.