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5 Sekunden statt 52 Minuten: Künstliche Intelligenz beschleunigt die Abwicklung von Schadensfällen

Veröffentlichung auf springerprofessional.de vom 18. Juni 2018 unter dem Titel "Mit Künstlicher Intelligenz Schadenfälle schneller abwickeln" von Autor Dr. Oliver Wick

Dr. Oliver Wick
Strategic Account Manager
Uniserv GmbH

Die Assekuranz von morgen holt sich für die Bearbeitung von Schadensfällen digitale Unterstützung in Form von intelligenten Algorithmen ins Haus. Doch noch funktioniert Künstliche Intelligenz nur in Teilbereichen. Das liegt oft auch an den unzureichenden und qualitativ mangelhaften Datenbeständen der Versicherer.

Kundenbezogene Daten waren schon immer das Brot-und-Butter-Geschäft der Versicherungsbranche. Die Informationen werden genutzt, um Tarife und Schadensmodelle zu berechnen und Schadensfälle abzuwickeln. Je nachdem, wie kompliziert das Tarifprodukt oder komplex der Schadensfall ist, kann die Bearbeitung durch den Sachbearbeiter sehr viel Zeit in Anspruch nehmen. Doch zunehmend setzen Versicherer bei der Abwicklung auf digitale Unterstützung: auf die Künstliche Intelligenz (KI). 

Künstliche Intelligenz übernimmt Adressänderungen, Kontowechsel und Schadensakten

Die lernfähigen Algorithmen, die die KI ausmachen, können Daten in Sekundenbruchteilen nach vorgeschriebenen Mustern verarbeiten und analysieren. Assekuranzen setzen sie bis dato ein, um einfache Prozesse zu übernehmen, beispielsweise die Bearbeitung von Anfragen wie Adressänderungen, Kontowechseln oder dem Anlegen von Kunden- und Schadens-Akten. So nutzt die Versicherung Zurich Insurance bereits in Teilbereichen KI, etwa bei der Regulierung von KFZ-Glasschäden. Rund 40.000 Schadensfälle werden auf diese Weise bereits jährlich übernommen, Tendenz steigend. Und die Ergebnisse sind vielversprechend: Prozesse, für die Berater im Schnitt 52 Minuten benötigen, schafft die eingesetzte KI in gerade mal fünf Sekunden. 

Datensilos in schlechter Qualität schränken KI ein

Doch noch kann KI nicht in allen Bereichen eingesetzt werden. Das liegt oftmals daran, dass Versicherer meist historisch gewachsene Datenbestände in einer Vielzahl an verschiedenen IT-Systemen aufbewahren. Denn für ihre jeweiligen Versicherungsprodukte müssen unterschiedliche Informationen über den Kunden erfasst und verarbeitet werden. Darunter leidet jedoch die Qualität der Daten. Informationen zu Kunden und Vorgängen sind oft nicht auf dem aktuellen Stand: Aktualisiert der Versicherungsmitarbeiter Daten eines Kunden für die Lebensversicherung, wie zum Beispiel die Adresse, in einem System, muss der Mitarbeiter in der Sparte Wohngebäudeversicherung dies ebenfalls in seinem System vornehmen. Doch hierbei passieren in der Praxis häufig Fehler, seien es Tipp- oder Hörfehler, oder es wird versäumt, die Informationen in allen Systemen zu aktualisieren. 

Dies ist auch wenig verwunderlich, da Versicherungsgesellschaften über Millionen von Kundendatensätzen verfügen, die ständig angepasst werden müssen. Im Durchschnitt ziehen Leute alle fünf bis sieben Jahre um, sodass sich rund 15 Prozent der Kundendaten allein dadurch jedes Jahr ändern. Bei einer Million Datensätzen bedeutet dies etwa 600 Änderungen pro Tag. Und dabei sind weitere Veränderungen wie die Familiensituation oder eine neue Telefonnummer noch gar nicht mitbedacht. 

Fazit: Qualitativ hochwertige Daten als Grundvoraussetzung

Wollen Versicherer KI also erfolgreich einsetzen, kommen sie um qualitativ hochwertige Datenbestände nicht herum. Nur mit einer hohen Datenqualität können alle Vorteile von KI genutzt werden. Denn für KI-Systeme sind korrekte, aktuelle und vollständige Kundendaten essenziell, da sie aus diesen Daten lernen. Sind die Daten falsch, sind es auch die versicherungsrelevanten Zukunftsprognosen, die eine KI trifft. Bevor Versicherer also auf die Unterstützung intelligenter Algorithmen setzen, sollten sie der KI saubere Kundenstammdaten sowie Informationen beispielsweise zu Kunden-Nutzungsverhalten, ihrer Demographie, Charakteristiken und einen Verlauf bisheriger Interaktionen in einem einheitlichen Kundenprofil zur Verfügung stellen. Denn je umfassender und genauer die Kundenangaben sind, mit denen das jeweilige KI-System arbeiten kann, desto fehlerfreier können sie Schadensfälle bearbeiten und desto besser werden versicherungsrelevante Prognosen des Systems. Werden diese Aspekte nicht oder nur unzureichend berücksichtigt, sind Analysen und Prozesse im wahrsten Sinne des Wortes „auf Sand gebaut.“

Über den Autor

Dr. Oliver Wick ist Strategic Account Manager bei Uniserv und Branchenexperte für Versicherungen. Er ist seit rund 20 Jahren bei Uniserv. Herr Dr. Wick unterstützt seine Kunden dabei, erfolgreicher zu sein, mit dem Fokus auf Data Quality, was sowohl technologische als auch prozessuale Aspekte umfasst.
 

Mit Künstlicher Intelligenz Schadensfälle schneller abwickeln

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus springerprofessional.de, 18.06.2018, Autor Dr. Oliver Wick, © Springer Professional

Mit Künstlicher Intelligenz Schadensfälle schneller abwickeln