Interviews

Nichts bleibt wie es ist – Wie das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und Blockchain unser Leben radikal verändern

Karl-Heinz Land, Digitaler Darwinist, Evangelist und Gründer der Strategieberatung neuland

Karl-Heinz Land - Innovative 2018

Kurzbiografie:
Digitaler Darwinist, Evangelist und Gründer der Strategieberatung neuland. Karl-Heinz Land erhielt 2006 den "Technology Pioneer Award" des World Economic Forums (WEF & Time Magazine), und ist Co-Autor der Bestseller „Digitaler Darwinismus – Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke“ und „Dematerialisierung – Die Neuverteilung der Welt in Zeiten des Digitalen Darwinismus“. Er gilt als Visionär und berät Unternehmen in Fragen der digitalen Transformation mit den Schwerpunkten Geschäftsmodelle, E-Commerce, Cloud, Mobility, IoT, Big Data.

Herr Land, der Vortrag, den Sie auf der Innovative 2018 halten, lautet „Nichts bleibt wie es ist – Wie das Internet der Dinge, Künstliche Intelligenz und Blockchain unser Leben radikal verändern“. Was genau ändert sich denn und für wen?

Aktuell erobern smarte Assistenzsysteme wie Alexa oder Cortana die Welt. Wir können mit diesen Computern sprechen und sie helfen uns dabei, Informationen zu finden. Auch in unserer Arbeitswelt hat sich vieles geändert. Maschinen reden heute mit Maschinen, Autos mit Werkstätten, Industrien mit anderen Industrien. Alles ist miteinander vernetzt. Dabei entstehen unglaublich viele Daten. Doch um dieser nie dagewesenen Datenflut Herr zu werden, brauchen wir Mechanismen, die alle Informationen sortieren. Das gelingt mit Künstlicher Intelligenz (KI). KI wird daher künftig bei allem, was wir kennen, eine Rolle spielen. Egal, ob bei der Software-Erkennung oder im Smart Home, im autonomen Auto oder beim Paketdienst, der mittels Tracking Pakete nachverfolgt – bei allen Prozessen läuft KI im Hintergrund. Ich nenne das General Purpose Application. Die intelligenten Algorithmen ziehen also in jede Software ein, die wir uns vorstellen können. Damit wird KI unser Leben und unsere Arbeitswelt radikal verändern.

Wo wird KI in der Arbeitswelt am meisten sichtbar?

KI wird Unternehmen in erster Linie dabei helfen, Prozesse zu automatisieren. Sowohl in der Industrie, als auch in der Wirtschaft. Neben der Automatisierung kann die smarte Technologie aber auch Abweichungen anzeigen, zum Beispiel in der Fraud Detection. So wird es möglich, Betrug oder Betrugsversuche schneller zu erkennen. Deshalb ist KI auch im Bereich Security sehr wichtig. Indem sie Anomalien in Prozessen oder Systemen schnell aufzeigt, können Schäden besser verhindert oder minimiert werden. Aber auch um Trends – etwa zu Kaufverhalten, Produkt- und Marktentwicklungen abzuleiten, werden intelligenten Algorithmen im Unternehmenseinsatz wichtig. Der Mensch kann solche Zusammenhänge oder Prognosen ohne maschinelle Unterstützung nur sehr langsam oder gar nicht erkennen. 

Gibt es auch etwas, das im digitalen Zeitalter gleich bzw. unverändert bleibt? 

Eigentlich nicht. Das einzig Stabile ist der Wandel - und dieser Wandel wird immer rascher vonstatten gehen. Für Unternehmen bedeutet das, dass sie sich noch schneller an diese Veränderungen anpassen müssen. 

Es ist der permanente Job eines jeden Unternehmens, wettbewerbsfähig zu bleiben und Werte für die Kunden zu schaffen. Wie kann Firmen das angesichts der steigenden digitalen Anforderungen gelingen?

In erster Linie müssen sich Unternehmen bewusst machen, was in ihrer Branche aktuell in Sachen Digitalisierung passiert. Dazu gehört auch, sich über die Chancen und vor allem über Risiken neuer digitaler Trends zu informieren. Unternehmen müssen sich fragen: Was müssen wir tun, um auch in Zukunft Services und Produkte zu entwickeln, die für unsere Kunden Mehrwert stiften? Der Kunde und seine Bedürfnisse sollten dabei auf jeden Fall im Vordergrund stehen. 

Wie können Unternehmen vom Einsatz Künstlicher Intelligenz profitieren? Was müssen sie tun, um die Technologie erfolgsversprechend einzusetzen? 

Unternehmen sollten sich zunächst einmal die Grundsatzfrage stellen: In welchen Bereichen digitalisieren wir? Und wo fallen Daten an? Denn Daten sind die Fußabdrücke im digitalen Zeitalter. An ihnen lassen sich Trends und Abweichungen erkennen, und zwar sowohl bei Kunden, aber auch in Bezug auf Produkte und Märkte. 

Da das Volumen an Daten jedoch exponentiell steigt und um den Überblick zu behalten, müssen Firmen auf intelligente Algorithmen in Form von Machine Learning (ML) oder KI zurückgreifen. Unternehmen sollten ML daher zu einem strategischen Instrument machen. Sie müssen sich also überlegen, wie sie KI in ihre Systeme einbinden und damit die steigenden Datenvolumina auswerten können. 

Sie beschreiben in Ihren Büchern den Siegeszug des Digitalen. Was sollten traditionelle Unternehmen aus Ihrer Sicht jetzt unbedingt tun, um nicht von besser digitalisierten Wettbewerbern abgehängt zu werden? Und wie viel Zeit bleibt ihnen noch, aufzuholen?

Ich sage immer: Digitalisierung ändert nichts, nur alles. Sie ändert die Art und Weise, wie Kunden auf Unternehmen aufmerksam werden, wie sie kommunizieren, die Innovationszyklen, wie wir kollaborieren, uns austauschen und organisieren. Hierarchien zerfallen zu Netzwerk-Organisationen. Wollen sich Unternehmen abheben, ist es ihre einzige Chance, diese digitalen Entwicklungen zu verstehen und mitzugehen. Sie müssen selbst über ihre Hierarchie und ihr Netzwerk nachdenken und darüber, wie sie die Digitalisierung in unserer Ökonomie sinnvoll einsetzen können. Doch dazu bleibt ihnen, ganz offen gesagt, nicht mehr viel Zeit. Wer als Unternehmen jetzt noch darüber nachdenkt, ob er eine digitale Strategie braucht, für den ist es möglicherweise bereits zu spät. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Die meisten anderen Firmen haben längst eine Strategie definiert - vielleicht keine perfekte, aber sie haben eine. 

Vielen Dank für das Gespräch – Wir freuen uns auf Ihren Vortrag!