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Wie Banken neue Geschäftspartner besser einschätzen

Die Gesetze zur Vermeidung von Geldwäsche sowie die Regelungen zur Geschäftsanbahnung bei potenziell gesperrten Kunden werden immer strenger. Entsprechend müssen Banken bereits bei Anbahnung und Neuanlage den Geschäftspartner durchleuchten, ob eine Geschäftsbeziehung überhaupt zulässig ist. Dazu braucht es jedoch Investitionen, vor allem in eine gute IT. Denn nur mit den richtigen, und vor allem modernisierten und optimierten internen Prozessen können Banken ihre Geschäftspartnerdaten zeitnah verbessern und auswerten.

Veröffentlichung auf springerprofessional.de vom 03. Mai 2019 unter dem Titel "Wie Banken neue Geschäftspartner besser einschätzen" von Autor Axel Schmale

Axel Schmale
Account Manager DQ Sales
Uniserv GmbH

„Kenne deinen Kunden“ (KYC) heißt die Devise von Unternehmen, die erfolgreich sein wollen. Für Banken hat dieser Spruch einen besonderen Beigeschmack. Für sie ist er – in gewissem Rahmen – Pflicht: Die 3. EU-Anti-Geldwäsche-Richtlinie schreibt vor, dass Finanzinstitute bei natürlichen und juristischen Personen und ihren wirtschaftlich Berechtigten (Beneficial Owner) relevante Informationen zusammenführen und dokumentieren müssen. Ziel ist es, den Geschäftspartner eindeutig zu identifizieren und gegen Sanktionslisten abzugleichen, um Risiken auszuschließen. Hierfür kann es notwendig sein, die vorliegenden Informationen mit externen Daten anzureichern, etwa mit der Konzernzugehörigkeit, wirtschaftlich Berechtigten oder Umsatzsteuer-ID. Konkret gilt es, schon vor der eigentlichen Geschäftsbeziehung alle Risiken auszuschließen. Für diese Vorgehensweise benötigen Banken die entsprechende Methodik und zugehörigen Prozesse. Wird eine solche KYC-Analyse nicht sorgfältig durchgeführt, können dem Finanzinstitut im Betrugsfall hohe Strafzahlungen drohen.

Auf den Kampf gegen Geldwäsche vorbereiten

Da die Methoden von organisierten Kriminellen immer komplexer werden, müssen Banken ihre IT-Systeme ständig anpassen, um Illegales zu verhindern. Doch Legacy-Systeme vieler Geldinstitute erschweren die Betrugsprävention und KYC-Analysen enorm. Hinzu kommt, dass Banken Informationen über ihre Geschäftspartner oft nur unzureichend vorliegen. Fehlerhafte, veraltete und unvollständige Daten liegen jahrelang in verschiedenen Systemen (Datensilos) redundant verteilt. Das macht es schwer, die Geschäftspartner einzuschätzen. Wie also können Banken die Richtlinien einhalten? 

Einheitliches Kundenprofil erstellen und Risiko bewerten

Im ersten Schritt müssen sie sich eine Übersicht über alle Geschäftspartnerdatenbestände verschaffen, und zwar sowohl in den verschiedenen Online- und Offline-Kanälen als auch über alle Unternehmenssysteme hinweg. Banken sollten ihre Geschäftspartnerdaten hinsichtlich Vollständigkeit, Richtigkeit, Aktualität und Eindeutigkeit optimieren. Beispielsweise kann ein Master-Data-Management-System (MDM) Daten aus verschiedenen unternehmensinternen und externen Quellen konsolidieren, Dubletten bereinigen, Lücken vervollständigen und veraltete Informationen aktualisieren. Alle korrekten, aktuellen und vollständigen Informationen ergeben zusammengefasst ein einheitliches, im Unternehmen zentral zur Verfügung stehendes Profil. Dieses liefert eine 360-Grad-Sicht auf jeden Geschäftspartner. Eine solche Prüfung der Geschäftspartnerdaten muss kein großes Projekt sein, sondern kann in einzelnen, überschaubaren Teilprojekten im laufenden Betrieb zu signifikanten Verbesserungen führen. 

KYC-Überprüfungen als fester Bestandteil des Compliance-Managements

Steht das vereinheitlichte Geschäftspartnerprofil, müssen die jeweiligen Kontoinhaber anschließend gegen Referenzdatenbanken und Sanktionslisten abgeglichen und ein Entscheidungsprozess angestoßen werden. Dieser Prozess muss jedoch nicht nur bei der Neuanlage eines Geschäftspartners erfolgen, sondern auch bei Bestandspartnern regelmäßig durchgeführt werden. Und weil Banken Geschäftspartner oft gegen mehrere Listen prüfen müssen, erhöht dies die Komplexität zusätzlich. So spielen auch hier IT-Prozesse eine große Rolle. Denn Systeme müssen in der Lage sein, Bestandsdaten regelmäßig – und am besten automatisiert – zu überprüfen und Auffälligkeiten aufzuzeigen. Dies hat den Vorteil, dass Banken geeignete Maßnahmen zur Risikobehebung frühzeitig ergreifen und Geldbußen verhindern können. 

Finanzinstitute sollten daher in ihrem eigenen Interesse kontinuierliche KYC-Überprüfungen als festen Teil ihres Compliance-Managements etablieren und gleichzeitig eine hohe Qualität ihrer Geschäftspartnerdaten sicherstellen. Um dies zu erreichen, muss meist jedoch eine Banken-individuelle Lösung, mitunter auch in Zusammenarbeit mit Experten, gefunden werden.

Über den Autor

Axel Schmale ist Account Manager DQ Sales bei Uniserv und Branchenexperte für den Finanzsektor. Er hat über 15 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Für Uniserv begleitet Herr Schmale Banken und FinTechs auf dem Weg in die digitale Welt, mit besonderem Schwerpunkt auf dem Management von Kundendaten.

Wie Banken neue Geschäftspartner besser einschätzen

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus springerprofessional.de, 03.05.2019, Autor Axel Schmale, © Springer Professional