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Geschäftspartnerdaten als Enabler von Smart Metering

Geschäftspartnerdaten als Enabler von Smart Metering

Smart Metering bringt für Energiedienstleister Herausforderungen sowie Potenziale gleichermaßen. Doch damit Versorger die Technologie zu ihren Gunsten nutzen können, spielt eine bisher vernachlässigte Datenkategorie eine wichtige Rolle: Die Geschäftspartnerdaten. Eine mangelnde Qualität dieser Daten könnte Energiedienstleistern auf die Füße fallen - sie sind entscheidend dafür, ob Smart Metering datenschutzkonform umgesetzt werden kann. 

Yvonne Röber

Yvonne Röber 
Account Managerin DQ-Solutions 
Uniserv GmbH

Christian Bernius
Head of Sales & Marketing CDH-Solutions
Uniserv GmbH

Quelle: EUWID Neue Energie, Ausgabe 12/2020, Autoren Yvonne Röber &  Christian Bernius (Uniserv), © EUWID Neue Energie / EUWID Europäischer Wirtschaftsdienst 2020, Alle Rechte vorbehalten, https://www.euwid-energie.de  

Der Startschuss für das Rollout intelligenter Messsysteme, den sogenannten Smart Meter, ist gefallen. Mit zwei Jahren Verzögerung kann nun der Einbau der ersten intelligenten Stromzähler beginnen, so hat es das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seiner Markterklärung festgestellt. Ab jetzt haben die zuständigen Messstellenbetreiber drei Jahre Zeit, zehn Prozent der Pflichteinbauten umzusetzen. Danach weitere fünf Jahre für die 100 Prozent. Doch Smart Meter müssen dabei nicht flächendeckend eingeführt werden: Erst für Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden im Jahr sind sie Pflicht.  

Smart Metering als Antreiber vernetzten Lebens 

Und doch hat die Technologie weitreichende Auswirkungen auf die Branche. Die neuen Geräte bestehen aus zwei Elementen: einem digitalen Stromzähler und einem Kommunikationsmodul. Das Kommunikationsmodul wird Gateway genannt und macht den digitalen Zähler erst zum intelligenten Messsystem. Es übermittelt die Verbrauchsdaten automatisch verschlüsselt an Stromlieferanten und Netzbetreiber. Das verändert die Art und Weise, wie Energiedienstleister künftig mit ihren Kunden kommunizieren und wie sie Strom messen und abrechnen.  

Doch die Bedeutung von Smart Metering für die Energiewende ist in der Branche umstritten. Die einen bezeichnen die Technologie als Treiber des vernetzen Lebens sowie als Revolution. Bitkom-Energieexperte Robert Spanheimer verglich die Einführung der Smart Meter kürzlich mit der des Smartphones: Die Energieinfrastruktur werde bedeutend smarter und mit der Hardware werden sich bald neue Anwendungen entwickeln. Und tatsächlich ist das Potenzial für Energiedienstleister groß, mit der Einführung von flexiblen Stromtarifen, die auf die mal stärkere und mal schwächere Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien reagieren, bei Verbrauchern zu punkten. So könnte es künftig möglich sein, dass die Waschmaschine nur dann anspringt, wenn Strom in großen Mengen verfügbar und damit besonders günstig ist. 

Laut Bitkom gehen die Anwendungsmöglichkeiten aber noch viel weiter: Haushalte können Stromfresser erkennen und ein Smart-Home-System anbinden, das flexibel dann Strom einspeist, wenn es für das Netz oder den Verbraucher günstig ist. Auch begünstigt die neue Struktur das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen. Das kann erhebliche Kosten für einen sonst benötigten Netzausbau in Wohngebieten sparen. Privathaushalten prognostizieren diverse Umfragen immerhin eine Ersparnis im einstelligen Prozentbereich.  

Datenschutzbedenken begleiten die Einführung von intelligenten Stromzählern 

Doch auch negative Stimmen und Bedenken werden laut. Einige sehen in der Technologie wenig Ersparnis und Nutzen, weil zunächst einmal der Ausbau teuer ist. Zudem prognostizieren manche Experten durch Smart Meter einen Wandel des Verhältnisses zwischen Energieversorgern und ihren Kunden. Die automatische Übermittlung der Zähler an die Energieversorger macht den Hausbesuch von Ablesern überflüssig. Verbraucher müssen nicht mehr zwingend mit dem Dienstleister in Kontakt treten. Gegner fürchten so einen Machtverlust der Energiedienstleister: Der Verbraucher hat von nun an das Heft in der Hand.  

Auch Datenschutzbedenken stehen im Raum, denn Smart Meter zeigen nicht nur den aktuellen Zählerstand an, sie speichern die Werte auch. So können etwa nicht nur Verbraucher an einem Display ablesen, wie viel Strom sie zum Beispiel im vorausgegangenen Monat verbraucht haben, sondern auch Dritte wie die Energiedienstleister selbst. Energieversorger müssen mehr denn je beweisen, dass Daten bei ihnen sicher sind. Das kritische: Die Verbrauchs- und Einspeisungsdaten lassen Rückschlüsse über Umfang, Art und Zeitraum des Energieverbrauchs der im Haushalt lebenden Personen zu. In diesem Fall unterliegen sie dem gleichen Schutz wie personenbezogene Daten und müssen entsprechend behandelt werden, Stichwort DSGVO. Aber auch ein spezielles Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) beinhaltet genaue Regelungen zur datenschutzkonformen Ausgestaltung von Smart Metering, die es zu beachten gilt. Die Paragrafen 49 – 75 MsbG orientieren sich an den datenschutzrechtlichen Grundsätzen der Zweckbindung und der Datensparsamkeit – Energiedienstleister sollen nicht mehr Daten speichern als nötig – sowie Verpflichtungen zur Anonymisierung und Pseudonymisierung. Ebenso enthält die technische Richtlinie des BSI TR-03109 detaillierte Vorgaben zur datenschutzkonformen technischen Umsetzung. 

Weiterhin sind die durch Smart Meter anfallenden Daten als kritisch zu betrachten, weil durch sie die Möglichkeit besteht, Nutzungsprofile einzelner Personen zu erstellen. Auf der Grundlage des Stromverbrauchs lässt sich detailliert darstellen, wann ein Verbraucher zu Bett geht, wie er seine Mahlzeiten zubereitet, wie häufig er seine Waschmaschine bedient und wann er außer Haus ist. Kritisiert wird auch, dass die Datenerhebung der intelligenten Messsysteme intransparent sei, da sich die Messgeräte zumeist im Keller befinden und der Verbraucher nicht vor Augen habe, dass im großen Maße personenbezogene Daten von ihm erhoben werden. 

Geschäftspartnerdaten entscheidend für erfolgreiche Umsetzung der neuen Technologie 

Diese Hürden zeigen: Damit Smart Metering eine Bereicherung ist, müssen Energieunternehmen noch einige Vorbereitungen treffen. Sie müssen Erzeugungsanlagen (EEG-/KWK-Anlagen) mit einer installierten Leistung > 7 kW mit einem intelligenten Messsystem ausstatten und sich auf die neue Infrastruktur ein- und umstellen.  

Die größten Herausforderungen sind jedoch der Umgang mit Daten und der entsprechende Kundenservice, da der Kontakt zu Geschäftspartnern durch die automatisierte Zählerstandübermittlung abnimmt. Hier sollten sich Energiedienstleister keine Chancen auf Upselling entgehen lassen. Gleichzeitig dürfen sie keine Gelegenheit verpassen, die Customer Experience durch smarte Stromtarife hochzuhalten sowie  Reputationsverlust durch Datenschutzverstöße vermeiden. Damit das gelingt, müssen Energieversorger zum einen in der Lage sein, Verbrauchs- und Geschäftspartnerdaten richtig sowie sicher zu verwalten – und andererseits lernen, auch die neue Technologie zur Zufriedenheit der Verbraucher umzusetzen. Auch hier ist ein gutes (Geschäftspartner-)Datenmanagement das A und O.  

Geschäftspartnerdaten sind deshalb wichtig, weil sie Informationen darüber enthalten, für welchen Haushalt Smart Metering überhaupt relevant ist und wer über neue Leistungen informiert werden muss. Auch helfen sie dabei, den Kunden kennenzulernen und basierend auf seinen Bedürfnissen individuelle Stromtarife anzubieten. Doch Kunden- und Geschäftspartnerdaten wurden von Energiedienstleistern über Jahre hinweg vernachlässigt. Eine Uniserv-Studie ergab, dass 62 Prozent aller Befragten und 75 Prozent der befragten Energieunternehmen mit der Performance und Effizienz ihres Kundendatenmanagements nicht zufrieden sind. Weitere 43 Prozent beklagen: Das Thema wird in ihrer Organisation immer noch unterschätzt. Das Hauptproblem: Die Datenqualität. Oftmals haben Energieunternehmen mit veralteten Adressen, Dubletten und Fehlern zu kämpfen, die eine eindeutige Zuordnung von Informationen, geschweige denn die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien erschweren. Das liegt daran, dass sie meist über viele verschiedene Kanäle mit Geschäftspartnern in Kontakt treten und Informationen folglich in verschiedenen Systemen verstreut liegen. Hinzukommt, dass Verbrauchsdaten per Funk, über die Stromleitung oder über das Internet zunächst an den Messstellenbetreiber – in der Regel der örtliche Netzbetreiber – übermittelt werden. Die Folge sind doppelt oder unvollständig vorliegende Informationen, Lücken und Fehler. 

Hohe Datenqualität und 360-Grad-Sicht  

Eine qualitativ hochwertige Datenbasis ist jedoch entscheidend, um das Potenzial vom Smart Metering im Sinne der Kundenbindung auszuschöpfen. Energieversorger haben erstmals ein intelligentes Hilfsmittel, ihre Geschäftspartner besser kennenzulernen. Werden diese Information solide aufbereitet und der Marketingabteilung oder dem Kundenservice zugänglich gemacht, können diese besser beraten oder Upselling betreiben. Etwa, indem sie Rückschlüsse zu Vorlieben ziehen oder Tipps geben, wo noch mehr Strom eingespart werden kann. Denkbar wäre auch ein zweiter Stromzähler, über den Verbraucher zu einem günstigeren Preis Energie beziehen können – dann allerdings zu einem Zeitpunkt, den der Energiedienstleister bestimmt und der für die Netzauslastung günstig ist. Dazu müssen Versorger jedoch wissen, für welche Geräte und Haushalte dieses Szenario in Frage kommt. 

Dazu ist es wiederum nötig, dass alle Daten konsolidiert an einem Ort vorliegen, der von den für verschiedene Anwendungsfälle zuständigen Mitarbeitern eingesehen werden kann – etwa Marketing- und Kundenservice-Mitarbeiter, Produktentwickler oder Datenschutzbeauftragte. Denn nur so können sich die Mitarbeiter ein vollständiges Bild machen und entsprechende Geschäftsentscheidungen treffen. Aber auch, um Informationen gemäß der Datenschutzgesetze schnell verarbeiten und Auskunft nach DSGVO erteilen zu können, ist ein aufgeräumtes Geschäftspartnerdatenmanagement nötig. Unternehmen müssen stets wissen, dass ihre (Geschäftspartner-)Daten richtig, vollständig und aktuell sind, sie auf Abfrage bereitstellen und Anfragen nachkommen können.   

Customer Data Platform konsolidiert Informationen für das Marketing 

Eine entsprechende Software kann hier helfen, um Geschäftspartnerdaten zu optimieren. Zunächst konsolidiert die Lösung Informationen aus internen und externen Datenquellen und ordnet sie dem richtigen Profil, also dem entsprechenden Haushalt beziehungsweise Geschäftspartner, zu. Anschließend können diese Daten noch bereinigt, also Dubletten automatisch entfernt, Fehler korrigiert, Lücken vervollständigt und Adressen validiert werden. Werden die personenbezogenen Daten und Verbrauchsdaten daraufhin noch um Bewegungs- und Transaktionsdaten angereichert, entsteht eine langfristige 360-Grad-Sicht auf jeden Geschäftspartner oder Haushalt – und damit die Basis für den Ausbau von Smart Metering.  

Doch wie können Energieversorgungsunternehmen diese Daten etwa ihren Marketingmitarbeitern zur Verfügung stellen? Das gelingt mit einer Customer Data Platform (CDP). Die CDP verarbeitet Informationen gezielt im Sinne von Marketingabteilungen, um (Geschäftspartner-)datenbasierte (Marketing-)Entscheidungen treffen zu können. Dabei selektiert und konsolidiert die CDP alle marketingrelevanten Informationen unternehmensweit und liefert darauf basierend eine qualitätsgesicherte, unternehmensweite und vor allem marketingrelevante Rundumsicht auf jeden einzelnen Geschäftspartner. Ziel ist es, eine individuelle Kundenbetreuung in allen Phasen der Customer Journey während der Einführung von Smart Metering sicherzustellen – und damit eine konsistente, positive Kundenerfahrung (Customer Experience Management) entlang aller Touchpoints zu liefern.   

Vertrauen schaffen, Datenhoheit bei den Kunden lassen 

Mit dieser Technologie erhalten Energieversorger das Handwerkszeug zu beweisen, dass sie ihre Geschäftspartner kennen und den Datenschutz achten. So können sie Bedenken bei Smart Metering aus dem Weg räumen – und das Potenzial der intelligenten Verbrauchsmessung für neue, individuelle Angebote nutzen, um den Kunden gleichzeitig zu binden. Oberste Priorität bleibt jedoch, dass der Dienstleister seine Daten stets unter Kontrolle hat und die Datenhoheit beim Geschäftspartner liegt. Er entscheidet, wer welche Daten bekommt, die in seinem Haushalt entstanden sind, auf Grundlage von gesetzlichen Regelungen. Unternehmen sollten den Schutz der Privatsphäre wahren und transparent kommunizieren, wie die Daten verarbeitet werden. Nur so können sie sich das Vertrauen verdienen, die sensiblen Daten ihrer Kunden für die Entwicklung individueller Stromtarife zu verwenden, von denen letztlich beide Seiten profitieren.  

Über die Autoren 

Yvonne Röber ist Account Managerin DQ Solutions bei Uniserv und Branchenexpertin für die Energiewirtschaft. Sie hat über 7 Jahre Erfahrung in der IT-Branche. Für Uniserv begleitet Frau Röber seit 2019 Energieunternehmen unter Berücksichtigung der Energiewende in die digitale Welt, mit besonderem Schwerpunkt auf das Management von Kundendaten. 

Christian Bernius ist Head of Sales & Marketing CDH-Solutions bei der Uniserv GmbH und verantwortet den weltweiten Vertrieb und das Marketing für den Customer Data Hub. Der Diplom-Wirtschaftsinformatiker und Software-Experte blickt auf über 10 Jahre Erfahrung in der Beratung und im Vertrieb von Individualsoftware zurück. 

EUWID Neue Energie - Geschäftspartnerdaten als Enabler von Smart Metering

Lesen Sie hier den vollständigen Artikel aus EUWID Neue Energie Ausgabe 12/2020, Autoren Yvonne Röber & Christian Bernius, © EUWID Neue Energie / EUWID Europäischer Wirtschaftsdienst