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Was macht einen starken Chief Data Officer aus?

Was macht einen starken Chief Data Officer aus?

Interview mit Prof. Dr. Peter Lehmann zu den Anforderungen an einen Chief Data Officer

Prof. Dr.-Ing. Peter Lehmann
Hochschule der Medien Stuttgart
Direktor Institut für Business Intelligence (IBI)

1. Was sind fachliche Eigenschaften, die ein CDO mitbringen sollte?

Die Rolle des Chief Data Officers ist eine Führungsaufgabe und soll die Digitalisierungsstrategie in Unternehmen vorantreiben. Voraussetzung ist jedoch, dass das Unternehmen überhaupt eine Digitalisierungsstrategie initiiert hat. Hierbei geht es um die Schaffung von neuen, innovativen Geschäftsprozessen, die insbesondere auf die Nutzung von digitalen Endgeräten ausgerichtet sind wie Smartphones, Tablets und Laptops. Bei der Digitalisierung geht es aber nicht um die Vermeidung von Papier, sondern um die Beschleunigung von Abläufen in Unternehmen um den Faktor 100. Um diesen Wandel im Unternehmen voranzutreiben, ist der CDO aber nicht nur Strategieberater, sondern wirkt auch aktiv an der Durchführung der geplanten Maßnahmen mit.
 
2. Was sind persönliche Eigenschaften, die ein Chief Data Officer mitbringen sollte?

Der CDO benötigt zunächst Datenverständnis, Mut, Führungsqualitäten und Überzeugungskraft. Er identifiziert Zukunftsmärkte und sorgt dafür, dass das Unternehmen auch in den kommenden Jahren wettbewerbsfähig bleibt und sich den verändernden Märkten anpasst. Dazu gehört mitunter ein weiterer Blick als der, den etwa ein CIO als gut ausgebildeter IT-Fachmann mitbringt. Als Beispiel sei der Einstieg in Cloud-Services genannt, das weitreichende Konsequenzen für ein Unternehmen mit sich bringen kann.

3. Aus welchen Bereichen kommen CDOs gewöhnlich, welchen Background haben sie und welche Erfahrungen sollten sie gesammelt haben?

Der CDO muss kein IT-Superman sein. Er kann zum Beispiel aus den Fachbereichen Betriebs- oder Volkswirtschaft, Marketing, IT oder Produktentwicklung kommen. Bei der Eignung kommt es vor allem darauf an, welche Erfahrungen aus der Praxis er mitbringt.
 
4. Wie technik-affin und management-affin sollte ein CDO sein?

Der CDO muss die eventuell fehlende digitale Kompetenz der anderen Führungskräfte im Unternehmen ausgleichen. Seine Vorschläge bedeuten meist große Veränderungen im Unternehmen, und dies ist vielleicht nicht allen recht. Der Digitalstratege muss also wissen, wie er mit Skeptikern umgehen und wie er Leute einbinden und sie überzeugen kann. Auch hier dient als gutes Beispiel wieder die Einführung von Cloud-Services in das Unternehmen.
 
5. Wie können Job-Erfahrene mit Führungsverantwortung, die sich für die CDO-Position interessieren, zu einem CDO werden?

Wenn das Unternehmen die Bedeutung und Rolle eines CDOs erkannt hat, dann steht die Position im Grunde allen Business Analysten offen. Es kommt aber letztlich auf die konkrete Funktionsbeschreibung und auf die Anforderungen an, die ein Unternehmen stellt.
 
6. Der CDO muss auch immer einen Wandel im Unternehmen einleiten - inwieweit sollte er dabei die Rolle eines Change Managers einnehmen?

Die Rolle des Change Managers ist eine der wichtigsten Aufgaben des CDOs. Digitalisierung bedeutet immer eine Änderung der Geschäftsprozesse, also Wandel von Abläufen. Auf der technischen Seite heißt das unter anderem, dass sich die im Unternehmen eingesetzte ERP-Software der Digitalisierungsstrategie anpassen muss. Genau das ist aber oft ein Killer-Point! Auf der kulturellen Seite muss es dem CDO gelingen, die Mitarbeiter für die sich zu verändernden Prozesse zu begeistern. Das ist keine einfache Aufgabe. 
 
7. Laut CDO-Kompass gibt es über 300 CDOs in der DACH-Region, gegenüber rund 120 im Jahr 2016. Wie sehen Sie die weitere Entwicklung in Deutschland?

Deutschland ist leider noch sehr konservativ. Veränderungen werden eher skeptisch gesehen und mit dem Label „wir warten erst mal ab“ versehen. Das liegt aber auch oft an unseren strengen regulatorischen Vorgaben. Die Märkte in den USA und Asien sind da sehr weiter und schneller. 

8. Manche Experten behaupten, dass es für Unternehmen sinnvoller ist, ein sogenanntes Digital Advisory Board einzurichten – das sich aus Experten aus der Digitalwirtschaft, der digitalen Medien, des Online-Business oder der digitalen Technologien zusammensetzt – statt auf „nur“ einen CDO zu setzen. Wie sehen Sie das?

Ein CDO ist eine Stelle mit Verpflichtungen und konkreten Aufgaben. Ein Advisory Board ist hingegen eine Organisationsform, die aus meiner Sicht eher das „sollten, wollen, müssten“ fördert. So besteht die Gefahr, dass Unternehmen die Verbindlichkeit verlieren.
 
9. Welche Effekte hat die EU-Datenschutz-Grundverordnung auf die Arbeit von CDOs?

Die Rolles des CDOs muss sich an der EU-Datenschutz-Grundverordnung orientieren. Die Inhalte der Regelungen sind aber nachwievor noch nicht bei allen Unternehmen vollständig umgesetzt, so dass der CDO die Richtlinien weiter umsetzen sollte. Geschieht dies nicht, drohen Strafen, die existenzgefährdend für das Unternehmen sein können.