Bestandsmigrationen in Versicherungen
Bestandsmigrationen in Versicherungen: Warum verlässliche Daten heute über den Erfolg von Kernsystemmodernisierungen entscheidet?
Eine Kernsystemmigration beginnt selten mit Daten. Und genau darin liegt oft das Problem.
Wenn Versicherer heute ihre Systemlandschaft modernisieren, stehen zunächst neue Plattformen, Cloud-Strategien, Zielarchitekturen oder Projektpläne im Mittelpunkt. Die eigentliche Herausforderung zeigt sich häufig erst später: wenn Millionen Kunden-, Vertrags- und Partnerdaten aus jahrzehntealten Beständen in die neue IT-Welt überführt werden sollen.
Dabei befindet sich die Versicherungsbranche in einer beispiellosen Modernisierungswelle. Viele Kernsysteme sind mehr als zwanzig Jahre alt. Zahlreiche Häuser ersetzen oder modernisieren ihre Bestandsführung. Gleichzeitig wachsen die Anforderungen durch Digitalisierung, regulatorische Vorgaben und den Wunsch nach einer konsistenten Kundensicht.
In dieser Situation wird Datenqualität vom operativen IT-Thema zum geschäftskritischen Erfolgsfaktor.
Warum lösen neue Kernsysteme keine alten Datenprobleme?
Viele Versicherer investieren heute oft im Millionenbereich in die Modernisierung ihrer Kernsysteme. Das Ziel ist klar: effizientere Prozesse, schnellere Produkteinführungen, bessere Kundenerlebnisse und höhere Zukunftsfähigkeit. Doch kein neues System kann die Qualität der Daten automatisch verbessern, die in dieses System übernommen werden.
Historische Bestände sind häufig über Sparten, Tochtergesellschaften und Fachanwendungen verteilt. Kundendaten liegen daher oft mehrfach vor. Adressen sind veraltet. Beziehungen zwischen Personen, Haushalten und Geschäftspartnern fehlen oder sind unvollständig dokumentiert. Über Jahre oder Jahrzehnte entstandene Sonderfälle erschweren zusätzlich eine saubere Migration. Wer diese Daten unverändert in eine neue Plattform überträgt, migriert nicht nur Informationen – sondern auch Fehler.
Die Folgen zeigen sich meist erst nach dem Go-live: fehlerhafte Kundenzuordnungen, Dubletten, manuelle Nacharbeiten, erhöhte Serviceaufwände und verzögerte Prozesse. Im schlimmsten Fall gerät der Business Case des gesamten Transformationsprojekts unter Druck. Genau deshalb gilt die Datenmigration heute als kritischer Pfad nahezu jeder Kernsystemtransformation.
Welches ist die stille Achillesferse vieler Versicherer?
Die Herausforderung ist keineswegs theoretischer Natur. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Banken und Versicherungen die Qualität ihrer Daten lediglich als mittelmäßig bewertet. Gleichzeitig nennen viele Institute Datenvalidierung als zentrale Priorität ihrer Datenstrategie.
Hinzu kommt eine weitere Besonderheit der Versicherungsbranche: Kundendaten sind häufig über verschiedene Systeme verteilt. Eine durchgängige 360-Grad-Sicht auf den Kunden existiert in vielen Häusern nicht. Damit fehlen die Voraussetzungen für konsistente Prozesse, personalisierte Kundenansprache und eine belastbare Datenbasis für moderne Analyse- und KI-Anwendungen.
Gerade bei einer Bestandsmigration werden diese Schwächen sichtbar. Denn eine Transformation zwingt dazu, Datenbestände systematisch zu betrachten. Das passiert meist erstmals. Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr: „Welches Kernsystem führen wir ein?“ Sondern: „Welche Qualität haben die Daten, die wir dort hineinbringen?“ Denn die Crux ist: Oft wird erst nach Programm geschaut, dann nach Prozessen; die Daten kommen am Schluss. Richtig herum, und so empfehlen wir es auch aus der Expertise unserer Beratung heraus, muss es lauten: ‚Erst die Daten, dann der Prozess, dann die Lösung.‘
Warum Datenqualität zum Programmrisiko wird?
In vielen Transformationsprojekten ist der technische Teil heute beherrschbar. Moderne Standardsoftware, erfahrene Implementierungspartner und etablierte Migrationsmethoden reduzieren technische Unsicherheiten.
Die Daten hingegen verhalten sich selten planbar. Bereits kleine Fehlerquoten können enorme Auswirkungen haben. Falsche Adressen führen zu Rückläufern. Dubletten erzeugen widersprüchliche Kundeninformationen. Unklare Personenbeziehungen erschweren Schadenbearbeitung, Vertrieb und Compliance. Fehlende Datenhistorien verursachen aufwendige Nacharbeiten. Je größer der Versicherungsbestand, desto stärker wachsen diese Effekte.
Deshalb gewinnt ein Ansatz an Bedeutung, der Datenqualität als eigenständiges Lieferobjekt innerhalb des Migrationsprogramms behandelt. Statt Datenprobleme erst während der Migration zu entdecken, werden Datenbestände frühzeitig analysiert, bereinigt, konsolidiert und für die Zielplattform vorbereitet. Aus einer technischen Nebenaufgabe entsteht so ein klar abgegrenzter Projekterfolg.
Warum Datenqualität als eigenes Arbeitspaket der Bestandsmigrations-Booster ist?
Die Idee ist einfach: Datenqualität wird als eigenständiges Modul innerhalb eines laufenden Kernsystemprogramms etabliert. Ziel ist es, Datenrisiken frühzeitig sichtbar zu machen und systematisch zu reduzieren. Dazu gehören die Analyse von Bestandsdaten, die Erkennung von Dubletten, die Konsolidierung von Kundeninformationen, die Validierung von Adressen sowie die Zuordnung von Personen und Haushalten über verschiedene Systeme hinweg.
Besonders attraktiv ist dieser Ansatz, weil er sich nahtlos in bestehende Transformationsprogramme integrieren lässt. Das Datenqualitäts-Paket kann eigenständig beauftragt und umgesetzt werden, ohne die Gesamtverantwortung des Kernsystem-Projekts zu verändern. Für CIOs, Programmleiter und Verantwortliche im Datenmanagement entsteht dadurch ein klarer Mehrwert: Risiken werden früh erkannt, Qualität wird messbar und die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Produktionsstarts steigt deutlich.
Mehr als Migration: Die Grundlage für zukünftige Innovationen
Der Nutzen endet jedoch nicht mit der Migration. Versicherer investieren zunehmend in Customer Experience, Automatisierung und Künstliche Intelligenz. Alle diese Initiativen haben einen gemeinsamen Nenner: Sie benötigen konsistente, verlässliche und eindeutige Kundendaten.
Eine erfolgreiche Datenmigration schafft deshalb weit mehr als einen sauberen Start im neuen Kernsystem. Sie legt den Grundstein für eine nachhaltige Customer-Data-Strategie.
Wer Kundendaten bereits während der Migration konsolidiert, Dubletten beseitigt und eine eindeutige Identitätsschicht etabliert, schafft gleichzeitig die Basis für eine 360-Grad-Kundensicht, regulatorische Anforderungen wie FiDA und datengetriebene Geschäftsmodelle.
Die Migration wird so vom reinen IT-Projekt zum strategischen Datenprojekt.
Fazit: Warum der Erfolg vor dem Go-live beginnt
Die gesamte Versicherungsbranche investiert aktuell in großem Umfang in die Modernisierung ihrer Kernsysteme. Neue Plattformen schaffen zweifellos die technologische Grundlage für die Zukunft.
Doch über den tatsächlichen Erfolg entscheidet oft etwas anderes: die Qualität der Daten, die in diese Systeme einziehen.
Wer Datenqualität erst nach der Migration betrachtet, reagiert auf Probleme. Wer sie frühzeitig in das Programm integriert, reduziert Risiken, beschleunigt die Umsetzung und schafft gleichzeitig die Grundlage für Customer Experience, Compliance und KI-Initiativen.
Oder anders formuliert: Ein neues Kernsystem macht Versicherer moderner. Gute Daten machen die Modernisierung erfolgreich.
Häufig gestellte Fragen
Migrationstests prüfen vor allem, ob Daten technisch übertragen werden können. Sie beantworten jedoch nur begrenzt die Frage, ob die Daten fachlich korrekt, vollständig und konsistent sind. Viele Qualitätsprobleme werden daher erst nach der Produktivsetzung sichtbar.
Idealerweise bereits in der frühen Planungsphase eines Kernsystemprogramms. Je früher Datenrisiken erkannt werden, desto günstiger und einfacher lassen sie sich beheben.
Systemintegratoren und Transformationspartner verantworten häufig die Gesamtumsetzung eines Kernsystemprojekts. Datenqualität wird dabei zunehmend als spezialisierte Disziplin betrachtet, die ergänzende Expertise und Werkzeuge erfordert, wie etwa die der Uniserv Customer Data Experts.
Nein. Auch mittelgroße Versicherer stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Gerade bei Fusionen, Bestandsübernahmen oder der Einführung neuer Standardsoftware können Datenqualitätsprobleme erhebliche Auswirkungen auf Projektkosten und Laufzeiten haben.
Typische Indikatoren sind die Dublettenquote, der Anteil vollständiger Datensätze, die Qualität von Adressen und Kontaktdaten, die Eindeutigkeit von Kundenidentitäten sowie die Zahl ungeklärter Datenkonflikte zwischen Altsystemen. Diese Kennzahlen helfen, den Migrationsfortschritt objektiv bewertbar zu machen.
Wir sind für Sie da.
Unsere Customer Data Experts beantworten schnell und kompetent Ihre Fragen und finden eine passende Lösung für Ihr Anliegen.
Das könnte Sie auch interessieren: