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Wie adressiert man ohne Adresse? Mit what3words oder Plus Code Orte schnell und einfach identifizieren.

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Mehr als 2 Milliarden Menschen auf der Welt haben keine Adresse


„Die Straße runter, die dritte rechts und vor dem Wald dann links.“ Es gibt verschiedene Wege, jemandem einen Standort mitzuteilen. Der obige ist nicht der smarteste. Aber was tun, wenn es gar keine klassische Adresse mit Straßenname, Hausnummer und Postleitzahl gibt? Wenn mein Standort im postalischen Nirgendwo liegt? 

So ergeht es übrigens auch Elano – einem von mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Welt ohne Adresse. Er lebt in Brasiliens größter Favela Rocinha in Rio de Janeiro. In dem Gewirr aus Winkeln, Wegen und Tunneln haben die Gassen selten Straßennamen oder noch schlimmer: viele verschiedene Namen für ein und dieselbe. 

Beispielsweise kann die Meldeadresse Rua 5 (Straße 5) lauten, der Stromanbieter führt sie als Rua 10, die Einwohner selbst nennen die Straße Morro da Roupa Suja (Hügel der schmutzigen Kleidung). Hausnummern – so es sie gibt – folgen nicht einer einheitlichen Logik, sie werden hier geografisch, dort chronologisch oder gänzlich willkürlich und auch innerhalb einer Straße gleich dreifach vergeben. Viele Häuser sind illegal errichtet worden und existieren offiziell gar nicht. In diesem Labyrinth Post zuzustellen, ist eine echte Herausforderung. Elano hat in seinem Leben noch keinen Brief erhalten. 

Mit Geokoordinaten lässt sich jeder Ort der Welt genau bestimmen


Wo es keine Adressen gibt, schaffen WGS84-Geokoordinaten Abhilfe. WGS84 steht für World Geodetic System 1984. Das ist ein geodätisches Referenzsystem als einheitliche Grundlage für Positionsangaben auf der Erde. Es ist die Basis von GPS und heute in jedem Smartphone verfügbar. Diese Geokoordinaten holen Orte wie Favelas, Townships und Reservate aus dem postalischen Nirgendwo. Aber auch hierzulande bei Baustellen, Neubaugebieten oder Kleingartenanlagen ohne klassische Adresse sind sie sehr hilfreich.

Mit Längen- und Breitengrad, die weiter in Minuten und Sekunden unterteilt werden, lässt sich jeder Ort auf der Welt exakt bestimmen. Die unterschiedlichen Schreibweisen der Koordinaten machen die Eingabe – zumindest für den Menschen – nicht unbedingt einfacher. Als Beispiel hier die Position einer Kreuzung South Craig Street / Winthrop Street im US-amerikanischen Pittsburgh:

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Im Alltag sind Geookordinaten aufgrund der vielen Schreibweisen oft nicht geeignet


Aus dieser Vielfalt an möglichen Schreibweisen erschließt sich zugleich ein großes, praktisches Hindernis im Umgang mit WGS84-Koordinatenangaben: Sie sind hervorragend geeignet, Positionsangaben zwischen Systemen automatisch zu übermitteln, wenn man sich vorher bei der Systemkopplung auf das entsprechende Format einigt. Im Alltag hingegen sind sie ungeeignet, wenn der Mensch bei der Übermittlung beteiligt ist. Neben der Herausforderung mit den unterschiedlichen Formaten ist es einfach anstrengend, die langen Zahlenkolonnen einzutippen. Entsprechend oft schleichen sich Fehler ein. Dank eingegebener Zahlendreher landet dann beispielsweise ein Taxifahrer oder Paketbote statt an der geplanten Adresse in Pittsburgh im Nirgendwo in Pennsylvania.

Vor diesem Hintergrund sind verschiedene Ideen entstanden, die Positionsbestimmung zu vereinfachen. Beispielsweise für Fahrrad-Lieferdienste, die Pizza trotzdem zuverlässig zu hungrigen Kunden in den Park liefern können, auch wenn es dort keine „klassische“ Adresse gibt. Oder Bauunternehmen, die eine Baustelle auf dem freien Feld zielstrebig anfahren, ohne lange Zahlenkolonnen meistern zu müssen.

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So funktioniert die alternative Adressierung


Mehr als zwei Milliarden Menschen auf der Welt verfügen über keine Adresse oder eindeutige Anschrift. Klassische Adressierungen, die auf Straße, Hausnummer, Postleitzahl und Ort basieren, stoßen da an ihre Grenzen. Es braucht alternative Geocode-Systeme, die ohne diese Informationen auskommen und stattdessen andere Systematiken heranziehen, damit Waren, Dienste oder Services punktgenau zugestellt werden können.

Lesen Sie in unserem Paper, wie die beiden wichtigsten globalen Geocode-Systeme - what3words und Plus Code - Ihren Geschäftsspielraum enorm erweitern.


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Die Idee dabei war, ein ähnliches „Vehikel“ wie eine Postleitzahl zu schaffen, aber ohne die typischen Einschränkungen. Es sollte beispielsweise keine strukturellen Unterschiede der Codes von Land zu Land geben, viel feinere Positionsbestimmungen ermöglichen, und auch dort funktionieren, wo noch nie Post zugestellt wurde. Aus diesen Überlegungen entstanden einige unterschiedlich neue Geokodierungssysteme am Markt, wie beispielsweise 3GeoNames (3D), Xaddress, GeohashPhrase, Geotude/Posttude, GeoHash, MapCode und Open PostCode. Diese Systeme haben alle gemeinsam den Nachteil, dass sie sich im Markt nicht umfassend durchsetzen konnten. Das ist allein den Marktführern what3words und Googles Open location code / Plus Code mit nennenswertem Marktanteil gelungen. Beide bieten ein einfaches System, Orte punktgenau zu benennen, zu teilen und zu finden. Jedes dieser Systeme hat unterschiedliche Vor- und Nachteile. Deshalb wollen wir im Folgenden einen groben Überblick geben.  
 

Dreiwortadresse ///banden.aufhielt.fragt  – what3words


Das Konzept von what3words ist einfach: Die Welt wird in 3 x 3 Meter große Quadrate aufgeteilt und jedem eine einzigartige Kombination von drei Wörtern zugewiesen. Sie ersetzen die klassische Adresse komplett. Für unser Uniserv Gebäude in der Rastatter Straße 13 in Pforzheim lautet die Dreiwortadresse beispielsweise ///banden.aufhielt.fragt. Sucht man unsere Eingangstür, bekommt man ///anführer.bisher.bedurfte, unsere Einfahrt erhält die Ortsbestimmung ///einziehen.loben.aktuellen.

Diese Beispiele zeigen, dass die Begriffe von einem proprietären Algorithmus vollständig nach dem Zufallsprinzip aus seiner Datenbank ausgewählt wurden. Sie haben keine sprachsemantische Bedeutung, lassen sich aber – oft gerade wegen der kuriosen Kombinationen – dennoch gut merken. Das System ist sprachabhängig. Jede der 45 hinterlegten Sprachen hat eine eigene Wortliste, die jeweils rund 25.000 Wörter umfassen. So ist beispielsweise die Antwort auf die Frage „wohin sollen wir die Pizza liefern“ mit what3words nicht mehr „im Volkspark Friedrichshain ziemlich in der Mitte, unter dem großen Baum, in der Nähe vom Teich“, sondern punktgenau ///ehrenvolle.wüste.fixstern.

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Diese Frage beantwortet auch der Plus Code von Google zuverlässig. Allerdings fällt hier die Antwort anders aus, nämlich: GCHM+57 Berlin.

8FWCVMX8+5V - Google Plus Code 


Googles Plus Code (auch Open Location Code oder kurz OLC) wandelt die lange Zahlenkolonne aus Latitude und Longitude in einen kürzeren, viel einfacheren Code aus Buchstaben und Zahlen. Nach der achten Stelle steht immer ein Pluszeichen, u.A. zur Unterscheidung von einer Postleitzahl – was aber auch erklärt, woher die Bezeichnung Plus Code stammt.

Abbildungen basierend auf Plus Codes Technology

Der Algorithmus unterteilt die Erdoberfläche in ein Gitternetz wie eine Quad-Tree-Kachel. Die ersten vier Stellen des Codes identifizieren eine Zelle aus einem 18x9-Gitter, das die Erde bedeckt. Die nachfolgenden Schritte unterteilen diesen Bereich in ein 20x20-Gitter und verwenden ein Zeichen zur Identifizierung der Zeile und ein weiteres zur Identifizierung der Spalte. Ab dem 10. Zeichen erfolgt die Verfeinerung mit einer Unterteilung eines 4x5-Gitter, wobei jede Gitterzelle durch ein einzelnes Zeichen identifiziert wird.

Die ersten vier Stellen geben eine Region von rund 111 x 111 Kilometern am Äquator an. Die folgenden Zeichen geben die exakte Fläche innerhalb dieser Region an. Je nachdem, wie präzise die Positionsbeschreibung sein soll, kann ein weiterer Buchstabe hinten angehängt werden. Damit erhält man ein Raster in der Größe von ca. 14 x 14 Meter mit 10 alphanumerischen Zeichen und ca. 3 x 3 Meter mit 11 Zeichen, was häufig genauer ist als eine Hausnummer.

8FWCVMX8+5VH beschreibt beispielsweise den Standort des Uniserv Gebäudes in Pforzheim mit einer Präzision von 3 x 3 Metern. Ebenso ist es möglich, die Position mit 8FWCVMX8+5V (Präzision 14x14 Meter) anzugeben. Hier wird also nicht mit Worten wie bei what3Words gearbeitet, sondern mit einem 10- bzw. 11-stelligen Buchstaben- und Zahlen-Code.

Auch hier ersetzt der Plus Code die „klassische“ postalische Anschrift bestehend aus Ortsteil, Straße, Hausnummer und Postleitzahl. Er ist deutlich schneller und fehlerfreier einzugeben, und das ohne nationale bzw. örtliche Besonderheiten und Mehrdeutigkeiten. 

Befindet sich der Standort innerhalb oder in der Nähe einer eindeutig identifizierten Stadt, wird der Area Code nicht unbedingt benötigt. Stattdessen kann der Local Code zusammen mit dem Namen der Stadt verwendet werden. VMX8+5V Pforzheim beschreibt ebenfalls die Position des Uniserv Gebäudes.  

What3words und Plus Code im praktischen Einsatz

Sowohl what3words als auch Plus Code bringen für viele Anwendungsfälle eine Reihe an praktischen Vorteilen mit. Mit ihnen fallen die Herausforderungen und Besonderheiten der klassischen Adressen komplett weg.

Elano und die Bewohner von Rocinha können dank what3words mit seinen Dreiwortadressen nun auch online shoppen und sich Pakete schicken lassen – vorher undenkbar. Eine lokale Initiative, Carteiro Amigo (freundlicher Postbote), bietet den Anwohnern Dreiwortadressen, die sie dann auch beliefern können.  

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Ein anderes Beispiel gibt es aus Indien. Hier hat die gemeinnützige Organisation Addressing the Unaddressed (ATU) den Menschen in den „ungeplanten“ Siedlungen von Kalkutta zu Adressen verholfen. ATU-Mitarbeiter gingen durch die Slums und ordneten über eine Smartphone App jeder Wohnung einen Plus Code zu. Da hier die durchschnittliche Wohnungsgröße extrem klein ist, war es wichtig, dass die Adresse sehr präzise ist. Deshalb hat man sich hier entschieden, einen 12-stelligen Plus Code zu verwenden, der eine Präzision von ca. 60 x 90 Zentimetern ermöglicht. Die Bewohner erhielten dann eine Adresstafel, die über oder neben den Türen angebracht wurde.

Aber nicht nur in entwicklungsschwachen Ländern profitieren die Bewohner von den neuen Geocodes. Vom Paketboten über den Rettungsdienstfahrer bis hin zum Taxifahrer sparen sich alle, die in Liefer- und Transportketten eingebunden sind, das lästige Suchen von Eingängen, Übergabepunkten oder Abstellpositionen. Denn selbst wenn eine eindeutige Adresse vorhanden ist, können manche Orte oft nicht genau genug beschrieben werden. Große Krankenhäuser mit mehreren Eingängen oder Werksgelände mit vielen Toren laden nicht selten zum Herumirren ein.

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Wichtige Zusatzinformationen, wie Eingang oder Ablageplatz, können dann in Form der Geocodes an eine Adresse angereichert werden. Unternehmen, die auf eine effiziente Lokalisierung von Adressen angewiesen sind, können so in vielen Branchen von den Geokodierungssystemen profitieren. So hat beispielsweise Anteilseigner Mercedes-Benz what3words unter anderem in die Navigationssysteme von Vans eingebaut und damit einen Teil der DPD-Flotte ausgestattet.

Die wesentlich vereinfachte Handhabung – sowohl auf Seite der Dateneingabe als auch bei der tatsächlichen Zielerreichung vor Ort – sorgt für eine geringere Fehlerquote und damit für klare Zeit- und Kostenreduzierungen. Im Umkehrschluss machen die weltweit eindeutigen Codes die Lokalisierung von Unternehmen, Personen, Liefer- oder Ablagestellen einfacher und damit effizienter. Und das kann zum Beispiel im Rettungs- oder Katastrophenfall Leben retten.
 

Wahl des passenden Geocodes


Wichtig bei der Wahl des passenden Geocodes ist vor allem die Frage nach dem konkreten Use Case: Soll die Eingabe über ein Formular oder per Sprache erfolgen? Sollen regional oder national Positionen bestimmt werden, oder handelt es sich um einen grenzübergreifenden Anwendungsfall, der eine möglichst weitreichende Unabhängigkeit von Sprache und Schriftkultur erfordert? Ist es wichtig, dass der Geocode „Out of the Box“ mit Google Maps zusammenarbeitet? Werden diese und eine Reihe ähnlicher Fragen bei der Wahl des passenden Geocodes berücksichtigt, so können Unternehmen ihre Lokalisierungsprozesse unabhängiger und zukunftsfähig gestalten.
 

Die Systeme what3words und Plus Code im Direktvergleich


Grundsätzlich überzeugen beide Systeme durch einen vereinfachten und klar strukturierten Aufbau der Geocodes. What3words ist einfacher zu merken. Dafür punktet der Plus Code bei der unkomplizierteren grenzübergreifenden Nutzung, da er nicht an landesspezifische Sprachen gebunden ist. Er ist im Gegenteil sogar komplett unabhängig von lokalen Idiomen und Schriftzeichen. Zudem sind die Codes von what3words aufgrund ihres Aufbaus grundsätzlich länger und nicht so gut für die Eingabe in Formularfelder oder als Angabe in einer E-Mail geeignet. Die Spracheingabe, wenn auch mit einem gewissen Fehleingaberisiko, ist wiederum ein Vorteil von what3words.  
 

Zusammenfassung

 

WHAT3WORDS

PLUS CODE


Beispiel: Uniserv
Rastatter Str. 13
75179 Pforzheim                            

///banden.aufhielt.fragt 8FWCVMX8+5V
oder
VMX8+5V Pforzheim
Vorteile
  • Spracheingabe
  • Leicht zu merken
  • Eingabe in E-Mail, Chat oder Formularfelder (Eingabelänge)
  • Vorkehrungen gegen Lesefehler
  • Sprach- und Kultur-unabhängig
  • Flexible Auflösung
  • Relation / Vergleich zwischen Codes
  • Anbieterunabhängigkeit / Lizenz
  • Offline-Fähigkeit
Besondere Merkmale       
Eine geographische Position mit drei umgangssprachlichen Wörtern darzustellen, hat für viele Anwender etwas Faszinierendes/Magisches.
 
Google Maps unterstützt den Plus Code und ist bei vielen Endverbrauchern bekannt bzw. bereits installiert. Dort wird der Plus Code bei der Standortsuche standardmäßig mit ausgegeben bzw. kann darüber identifiziert werden.

Dies ist nur eine stark verdichtete Zusammenfassung. Die Uniserv Geocoding-Experten haben eine ausführliche Detailbewertung der einzelnen Features durchgeführt. Bei Interesse sprechen Sie uns bitte dazu an.
 

Optimierung der Adressierung


Wenn es darum geht, Kunden und Interessenten nicht nur elektronisch, sondern auch physisch zu erreichen, ist die korrekte und einfach zu nutzende Adressierung auch im Zeitalter der Digitalisierung ein Schlüsselfaktor. Neben der „klassischen“ postalischen Adresse und ggf. WGS84-Koordinaten erweitern die hier vorgestellten „neuen“ Geocodes die Möglichkeiten der Adressierung, um damit in vielen Fällen das Business Model kundenfreundlicher zu gestalten. Denn sie ergänzen den Spielraum, die Leistungsfähigkeit und den Nutzen der bisherigen Systeme. Einerseits, indem für eine klassische Adresse parallel die korrespondierenden Geocodes ausgegeben werden können. Und andererseits, indem Lokalisierung dort fortgesetzt werden kann, wo eben keine postalische Adresse mehr mit den klassischen Elementen greift. Sei es bei Elano in Rio oder bei der Lieferung von Baumaterial in ein Neubaugebiet in Pforzheim, in dem es noch keine Schilder für Straßennamen und Hausnummern gibt.
 

Sie wollen gerne Ihren speziellen Use Case im Vergleich der unterschiedlichen Geolocalisation-Systeme diskutieren? Tiefer in das Thema Geocodierung eintauchen? Verabreden Sie mit einem unserer Geocoding-Experten einen 45-minütigen Videocall. 

 

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